3. Station: Für alle Geflüchteten dieser Welt

3. Station: Für alle Geflüchteten dieser Welt

„Was ist mit Dir los, humanistisches Europa?“ – so fragte nicht nur Papst Franziskus anläßlich der Verleihung des Karlspreises an ihn, sondern auch der Ökumenische Unterstützerkreis Tutzing, der im Rahmen des von der Pfarrgemeinde St. Joseph in Tutzing initiierten Stationenweges zur Fastenzeit die dritte Station „Werte ertrinken – Werte versinken“ gestaltet hat.

Mit verschiedenen Wortbeiträgen, Klage- und Bittgebeten wurde an das Leid geflüchteter Menschen gedacht, die durch Krieg oder Armut gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen. 80 Millionen Menschen sind zur Zeit auf der Flucht, viele versuchen den Weg über das Mittelmeer. Tausende ertrinken jährlich, Seenotrettung wird behindert und kriminalisiert. Männer, Frauen und Kinder, die es schaffen, auf die griechischen Inseln zu kommen, sitzen in Lagern fest in unmenschlichen Zuständen. Viele Geflüchtete in Deutschland leben seit mittlerweile über fünf Jahren hier, immer noch ohne Perspektive, nur geduldet, ständig von Abschiebung bedroht.
Aber es gibt auch Lichter der Hoffnung – es geht auch anders.

Papst Franziskus nahm mit einer solidarischen Geste über 50 Geflüchtete aus Lesbos in den Vatikan auf. Über 230 Gemeinden und Städte Deutschlands erklären sich in dem Bündnis „Sichere Häfen“ bereit, Geflüchtete aufzunehmen. Ehrenamtliche Seenotretter retten trotz Anfeindungen und Kriminalisierung jedes Jahr tausende von Menschen. Viele Menschen in Deutschland unterstützen ehrenamtlich Geflüchtete dabei, hier Fuß zu fassen. In Tutzing und Umgebung konnte die Spendenaktion „Tutzing hilft im Mittelmeer“ über 70.000,- € einsammeln.

Dies erwähnte auch Dr. Franz Matheis, dritter Bürgermeister der Gemeinde Tutzing, und dankte damit explizit den ehrenamtlich tätigen Tutzinger Bürgern.

Pfarrer Udo Hahn, Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing, betonte: „Ich bin dankbar, in einem Rechtsstaat zu leben. Die Demokratie gibt das Versprechen, dass der Einzelfall zählt – Menschenwürde und Menschenrechte die Grundlage politischen Handelns bilden. Daraus wächst für Staat und Zivilgesellschaft die Verpflichtung, Verantwortung zu übernehmen und in weltweiten Krisensituationen zu helfen. Menschen in Not sind keine anonyme Masse, sie haben Namen. Jeder Einzelne zählt!“

Wenn fliehende Menschen im Meer ertrinken, dann sterben nicht nur sie. Unsere Werte sterben mit – Humanität, Menschenwürde, Toleranz, Bescheidenheit, Verantwortung, Gerechtigkeit, Menschenrechte – all das geht notwendig einher mit humaner Kälte. Wir setzen damit Verelendung und Tod im Land unserer ureigenen kulturellen Wurzeln fort. Daran erinnern die Kreuze auf dem Nordhügel vor der Kirche St. Joseph und die davor abgestellten Kerzen.

Claudia Steinke, Ökumenischer Unterstützerkreis