Der Frauenbund Tutzing unternahm am Samstag, 29. November 2025 einen beeindruckenden Besuch der Krippenausstellung im Nationalmuseum München. Frau Dr. Mayerhofer, Kunsthistorikerin des Hauses, führte die Gruppe fachkundig durch die bedeutende Dauerausstellung – die älteste und umfassendste Krippensammlung weltweit. Sie vereint Exponate aus Bayern, Tirol sowie aus verschiedenen Regionen Italiens bis hinunter nach Sizilien.
Die meisten der historischen Krippen zeigen die Heilige Familie mit den drei Gabenbringern. Wie Frau Dr. Mayerhofer erklärte, ist dieses Motiv bereits früh im christlichen Glauben nachweisbar. Da es sich um kostbare Gaben handelte, wurden die drei Männer zu Königen erhoben, seit dem 12. Jahrhundert sind sie als Heilige Drei Könige bekannt. Gold, Weihrauch und Myrrhe symbolisieren das göttliche Kind als neuen König, neuen Gott und neuen Menschen. Die Figuren repräsentieren zudem unterschiedliche Altersstufen und stehen sinnbildlich für die damals bekannten drei Kontinente. Erst ab dem 15. Jahrhundert wurde einer der Könige mit dunkler Hautfarbe dargestellt.
Besonders eindrucksvoll schilderte die Museumsführerin, dass die Krippe ursprünglich als lebendige Landschaft gedacht war, in die über die Weihnachtszeit hinweg immer mehr Figuren einziehen. Historisch konnten Krippen aber auch andere Themen darstellen. Interessant war auch der Hinweis, dass Adam und Eva als erste Figuren in der Weihnachtskrippe galten, während die übrigen Darstellungen erst ab dem 25. Dezember ergänzt wurden.
Einen breiten Raum der Ausstellung nimmt die Sammlung des Krippenexperten Max Schmederer ein. Der Nachfahre der Paulaner-Brauerei trug eine umfangreiche Kollektion zusammen, die 1900 in das Museum gelangte, während des Zweiten Weltkriegs ausgelagert und 1953 zurückgeführt wurde. Schmederer, der auch das Prinzregententheater förderte und als Bühnenbildner tätig war, gestaltete viele Szenerien selbst.
Die Besucherinnen sahen unter anderem eine prachtvolle neapolitanische Krippe mit lebendigem Dorfgeschehen – typisch für Neapel, wo sich bis heute eine ganze Straße den Krippenbauern widmet. Ebenso beeindruckte eine Palastkrippe, die sich zehn Meter in die Tiefe erstreckt: Ihre Figuren stammen vom damaligen König, den aufwendigen Aufbau verdankt sie Schmederer. Besonders bemerkenswert waren die rund 40 Musikanten mit tatsächlich blasbaren Instrumenten.
Einen starken Kontrast bildete die schlichte, auf das Wesentliche reduzierte Krippe aus Sizilien. Dort wurden im 18. Jahrhundert die Gewänder der holzgeschnitzten, handbemalten Figuren mittels einer speziellen Kleistertechnik geformt. Auch Krippen aus Papier oder mit feinen Wachs- oder Holzgesichtern zeugen von der Vielfalt der Stilepochen und regionalen Traditionen.
Die Teilnehmerinnen zeigten sich tief beeindruckt von der Detailtreue und dem handwerklichen Reichtum der gezeigten Krippen. Die Führung bot zahlreiche neue Einblicke und machte den Besuch zu einem besonderen Erlebnis.
Ein Teil der Gruppe ließ den Abend anschließend gemütlich auf einem nahegelegenen Weihnachtsmarkt ausklingen – bei Glühwein, Lebkuchen und gebrannten Mandeln, bevor es wieder nach Hause ging.





