Beim ökumenischen Vortragsabend am Freitag, 28. November 2025 im Roncallihaus Tutzing begrüßte Pfarrerin Beate Frankenberger die zahlreich erschienenen Gäste und stellte den Referenten vor: Prof. Dr. Dr. h.c. Gunther Wenz, renommierter evangelischer Theologe und langjähriger Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sein Thema traf auf großes Interesse – nicht zuletzt, weil derzeit auch Papst Leo an den Jubiläumsfeierlichkeiten beteiligt ist. Anlass ist das 1700-jährige Gedenken an das Konzil von Nicäa.
Prof. Wenz spannte einen weiten historischen Bogen. Er erläuterte die politischen und kulturellen Voraussetzungen, die zum ersten ökumenischen Konzil führten: Die Umwandlung des ehemals römischen Gebietes, die Entwicklung von Byzanz zu Konstantinopel und später Istanbul, sowie die zunehmende Bedeutung des griechischsprachigen Ostens, in dem Bildung und Philosophie blühten. Seit 337 war das Christentum im Imperium Romanum erlaubt – dennoch waren heftige innerkirchliche Streitfragen ungelöst. Das Konzil sollte diese klären.
Zentral war die Auseinandersetzung mit den Lehren des Arius, der aus einem strengen Monotheismus heraus Christus nicht als wesensgleich mit Gott verstand. In Nicäa wurde dagegen festgehalten: Jesus Christus ist „gezeugt, nicht geschaffen“ – „Gott von Gott, Licht vom Licht“, eines Wesens mit dem Vater. Damit wurde die bis heute gültige Trinitätslehre grundgelegt. Das sogenannte Nicäno-Konstantinopolitanum, das sowohl im katholischen wie im evangelischen Gesangbuch verankert ist, entstand schließlich 381.
Neben diesen theologischen Grundentscheidungen wurde in Nicäa auch der Ostertermin festgelegt. Prof. Wenz stellte heraus, dass Ostern als Selbstoffenbarung Gottes zu verstehen sei – das Ursprungsereignis des christlichen Glaubens. Jesus selbst habe sich wohl kaum Hoheitstitel gegeben; doch die Gemeinde erkannte in ihm den Messias, den für die Menschen gestorbenen „Logos“, der die göttliche Ordnung des Kosmos verkörpert. In Christus sei dieser Logos „Fleisch geworden“ – der wahre Sohn Gottes, der Heiland.
Der Referent zeigte zudem auf, wie sehr die frühen Christen an die griechische Philosophie anknüpften. So wurde der Heilige Geist als der Lebensgeist Gottes, als Liebesband zwischen Vater und Sohn, verstanden. Begriffe wie essentia (Wesen) und substantia (Grund) halfen, das Geheimnis des dreieinigen Gottes zu formulieren.
Zum Abschluss dankte die Pfarrer Peter Seidel Herrn Professor Wenz herzlich für seinen wissenschaftlich fundierten, zugleich aber verständlichen und eindrucksvollen Vortrag. Das Publikum würdigte die klare Darstellung eines komplexen, doch hochaktuellen Themas.
Der Abend fand seinen Ausklang im Stüberl bei Wein und Häppchen und es wurde noch munter weiter diskutiert.
